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Aktienhandel mit Suchtpotenzial

Schweißausbrüche, hämmernder Puls und fliegender Atem, bei höchstem Streß zeigen Menschen diese Reaktionen. Auch der Wertpapier- und besonders der Optionsscheinhandel via Internet kann Nutzer - bei entsprechend hohen Einsätzen und dem damit verbundenen hohen Risiko - in einen Zustand permanenter Erregung versetzen.

Wer diesen besonders durch kurzfristige Börsengeschäfte hervorgerufenen Gefühlszustand unbedingt für sein Wohlbefinden braucht, bei dem kann man von "süchtigem Spekulationsverhalten" sprechen. "Es geht um das Erleben von Glücks- und Machtgefühlen, um die Bestätigung des Selbstwerts", beschreiben Psychologen und Gutachter die Motive von Spekulationssüchtigen.

Erfolgreiche Investitionen erzeugen Euphorie, fehlgeschlagene Geschäfte und Verluste führen zu Depressionen, in der Regel jedoch nicht zum Ausstieg aus dem spekulativen Handel. Denn erreichte Erfolge schreiben süchtige "Trader" genau wie andere Spielsüchtige den eigenen Fähigkeiten und der richtigen Strategie zu. Mißerfolge schieben sie auf äußere Bedingungen, sprich: die schlechte Stimmung am Markt oder ungenügende Informationen. Diese "verzerrte Realitätswahrnehmung" gehört schon zum eingeengten Blickfeld, das für Spekulationssüchtige typisch ist. "Allein das Bewußtsein, daß eine falsche Entscheidung zum Ruin führen kann, engt die Aufmerksamkeit extrem ein und fördert konfuses und irrationales Denken". Daraus folgen dann oft Investitionen, die mehr auf dem Bedürfnis nach Erfolgserlebnissen als auf objektiven Kriterien basierten.

Auf falsche Entscheidungen folgende Depressionen lassen sich wieder durch weitere Transaktionen mit den dazugehörigen hoffnungsvollen Erwartungen überspielen. Denn bei kurzfristigen Termingeschäften gibt es immer eine neue Chance in Form einer weiteren Handelsmöglichkeit. Dies verleiht dem Handel mit Aktien und noch stärker mit Terminmarktinstrumenten wie Futures, Optionen und Optionsscheinen ein hohes Suchtpotential. Diese sogenannten Derivate beziehen sich auf andere Finanzinstrumente wie Aktien, Devisen, Zinsen oder Indizes - die sogenannten Basiswerte - und setzen  auf deren Preisentwicklung.


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Werner Kohlmann
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